Monsanto in unserem Garten…

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Dass in meinen zig Kiepenkerl Samentütchen Monsanto steckt, war mir neu und hat mich einigermaßen schockiert. Was ein „richtiger“ Gärtner dazu meint und was ich mir dazu denke, das könnt Ihr hier nachlesen…

elizzza, die Hobbygärtnerin

Zuerst einmal Danke, lieber Daniel für die vielen Informationen in Deinem Beitrag. Naturgemäß (sic!) siehst Du das Thema etwas anders als der blindwütige Hobbygärtner 😉

Mir fehlt ohne jeden Zweifel das Fachwissen, um dezidiert gegen einzelne Argumente diskutieren zu können. Es wäre auch so wenig zielführend wie wenn ich vor einem beliebigen Monsanto Hauptquartier mit einem Gänseblümchenkranz auf dem Haupt protestieren würde.

Mein Minimalwissen über Monsanto habe ich aus dem Nachlesen von Einschätzungen anderer Menschen immer dann, wenn wieder einmal ein Aufschrei durch die Medien geistert. Und von Gesprächen mit Menschen, die WIRKLICH etwas von der Materie verstehen (also im Gegensatz zu mir – Chemiker z.B.) und welche die Entwicklung von M seit Jahrzehnten mit größter Sorge beobachten.

Völlig laienhaft ausgedrückt (ja natürlich 😉 stellt sich das Unternehmen für mich dar als ein Konzern der über Leichen geht, um die Alleinherrschaft über Saatgut und Genpatente zu erreichen. Und wenn nur ein einziger der langen Reihe an Vorwürfen stimmt, dann bedeutet das für mich:

Ich will diese Typen nicht in meinem Garten, so weit ich das verhindern kann!

Und besonders angep***t bin ich von der Tatsache, dass sie sich durch die Hintertür reinschleichen und offenbar gute Gründe haben, ihre Beteiligungen zu verschleiern. Jawoll, mea culpa, selber Schuld, Information ist eine Holschuld und keine Bringschuld. Ich war nicht ausreichend informiert (aber auf manche Ideen kommt ja so ein blindwütiger Maulwurf nicht mal im Traum).

Dabei ist es mir völlig schnurz, ob mein Kaufverhalten M schnurz ist, oder ob sie mit mir Geld verdienen oder nicht – ich finde, hier geht es auch um ein Prinzip. Und um die Tatsache, dass ein Unkraut hier oder da nichts an der Qualität eines Gartens ändert und es mir beim Hobbygärtnern sehr viel mehr darum geht, die Schönheit in einer Brennesselblüte zu sehen…

Ich verwende meine „Buycott-App“ fast täglich, weil es mir auch in allen anderen Bereichen wichtig ist, zu wissen, wer oder was hinter Produkten/Marken steckt und ich versuche, Alternativen zu verwenden.

Es ist mir völlig klar, dass dieser Weg nur für die wenigsten Menschen gangbar ist und dass man mit Kindern, Haushaltsstress, Berufsleben ganz andere Sorgen hat. Kann ich voll und ganz akzeptieren. Wenn ich die Zeit finde, Produkte zu hinterfragen, dann tu ich das – selbst wenn es nur Symbolwert hat.

Und was tu ich nun mit meinen zig Kiepenkerl Samentüten?

Aufbrauchen natürlich 😉 Wär auch nicht sinnvoller, damit nun Seed-Bombing zu betreiben. Aber ich werde mich natürlich nach Alternativen umsehen und hier in den nächsten Tagen noch einige Links hinzufügen.

Daniel, der Gärtner

Eines vorweg: Ich gehe KEINESFALLS konform mit dem was dieses dubiose Unternehmen veranstaltet oder versucht hat durchzusetzen! Dennoch sollte man etwas auf dem Teppich bleiben!

1. Kiepenkerl = Monsanto:

Bleibt bitte auf dem Teppich! Aus mehreren Gründen ist das völlig gleichgültig:
1. Kiepenkerl vertreibt an Kleingärtner wie an Profis. Selbst wenn alle Kleingärtner Kiepenkerl boykottieren würden (incl. der angebotenen Gemüsepflanzen) wäre es dem Unternehmen völlig egal, Profis werden nicht auf die Sorten verzichten weil sie ganz einfach gut sind und das Geld wird dort verdient.
2. Monsanto hat (selbst wenn es genetisch veränderte Gemüse und Zierpflanzensorten gäbe) absolut kein Interesse an Kleingärtnern. Ein weiterer Grund warum ein Boykott weder sinnvoll noch zielführend ist.
3. Die Züchtung läuft im Gemüse- und Zierpflanzensektor noch immer konventionell (sprich Kreuzung und Selektion) und daran wird sich vermutlich auch nie etwas ändern. Es gibt schlicht keinen Grund und keinen Markt für genetisch verändertes Gemüse etc. Sowas lohnt sich nur bei Pflanzen die in ganz großem Stil angebaut werden (eben Mais, Soja etc). Der gesamte Gemüsebau ist nicht groß genug, als dass Monsanto Zeit und Energie in z.B. glyphosatresistenten Salat stecken würde…..
4. Da die Züchter untereinander Sorten lizensieren ist es nahezu unmöglich „monsantofreies“ Saatgut zu bekommen das auch einen lohnenden Ertrag liefert.
5. Ganz viele Sorten die Kiepenkerl gezüchtet hat sind schlichtweg gut und halten sich alleine deshalb seit Jahren und Jahrzehnten am Markt, ganz ohne Gentechnik und ganz ohne Monsanto.

2. Monsanto = Iiiieeehhhhbäh

Jein! Das was dieses Unternehmen inzwischen veranstaltet ist weit jenseits von Gut und Böse, das steht außer Zweifel! Gut zu wissen, dass so ein Mist (z.B. Patente auf Tiergenetik etc. pp) hier bei uns nach wie vor nicht möglich ist und auch in den USA sind sie damit (Gott sei Dank!!!!) meines Wissens gescheitert, ich hoffe inständig, dass das so bleibt!
Ebenfalls ist es völlig daneben, das mit den Landwirten in den armen Ländern gemacht wird! Wenn man mal drüber nachdenkt, braucht kein Mensch glyphosatresistente Getreidesorten, es stehen genügend Alternativen zur Verfügung.
Dabei darf man den Grundgedanken dahinter nicht vergessen der ERSTMAL gut war (später mehr), was daraus wurde ist nahezu katastrophal.
Den Rest dazu fasse ich im nächsten Punkt zusammen…

3. Monsanto = Glyphosat = Katastrophe

NEIN!
Denn hier muss man ganz stark differenzieren und hinterfragen was da alles veröffentlicht wird!

1. Monsanto ist in den 70ern mit Glyphosat ein Herbizid in die Hände gefallen, das nach wie vor zu den umweltverträglichsten Herbiziden überhaupt gehört. Das Problem sind die Zusatzstoffe.

2. Glyphosat im Kleingarten zu boykottieren tut weder Monsanto noch sonst einem Unternehmen weh, das Geld mit Glyphosat ist lange verdient! Selbst wenn der Wirkstoff von jetzt auf gleich verboten würde täte das an sich niemandem mehr weh (außer den Landwirten und unseren Böden; klingt pervers, ist aber so). Übrigens hätte ich (entgegen dem was man bislang hieraus lesen mag) kein Problem mit einem sofortigen Anwendungsverbot im Kleingarten. Allerdings sehe ich lieber, dass Glyphosat SACHGERECHT im Kleingarten angewendet wird als die möglichen Alternativen. Dabei ist es völlig egal ob wir von konventionellen Herbiziden oder von Hausmittelchen sprechen.

3. Die ganzen Horrormeldungen bezüglich Glyphosat sollte man mal seeehr kritisch hinterfragen! Die Embryonentoxizität wurde z.B. an Hühnerembryonen untersucht denen man direkt eine Glyphosatmenge verabreicht hat die in der Praxis unter keinen Umständen auftreten kann. Fast alle Probleme sind auf das Tallowamin zurückzuführen das inzwischen aus den meisten Formulierungen verschwunden ist und im Kleingarten meines Wissens gar nicht mehr enthalten sein darf.
Wenn man sich diese lustigen Horrordokus mal genauer ansieht und ein wenig in der Materie steckt sieht man schnell was da sonst noch alles eingesetzt wird…. Fungizide und Insektizide die hier z.T. gar nicht mehr angewendet werden dürfen eben wegen bekannter teratogener und kancerogener Wirkung. Zumindest sind exakt diese Wirkstoffe (sofern noch zugelassen) hier klar als solche Stoffe gekennzeichnet.
Und zum Schluss wollen wir auch nicht vergessen, dass heute bei fast jedem Glyphosatrückstände nachgewiesen werden können. Das liegt aber u.a. auch daran, dass heute sehr viel geringere Rückstände nachgewiesen werden können als noch vor 5 Jahren. Und die nachgewiesenen Rückstände liegen alle weit unter den zulässigen Grenzwerten.

Damit will ich keinesfalls schön reden, dass dieser Wirkstoff massiv eingesetzt wird und zum Teil auch zu Zwecken die ich ziemlich zweifelhaft finde! Allerdings sollte man wie immer die Kirche im Dorf lassen. Zweifelsohne sollte im Kleingarten möglichst auf Chemie verzichtet werden, Glyphosat in Einzelfällen ist da aber ganz sicher noch das geringste Übel.
Da das Patent auf den Wirkstoff seit Jahren ausgelaufen ist, ist es übrigens durchaus möglich NOTFALLS Glyphosat einzusetzen ohne Monsanto zu unterstützen

Übrigens wird kein Landwirt die zugelassenen Aufwandmengen einsetzen und auch nur wenige das Originalpräparat, beides ist schlichtweg zu teuer.
Und durch einfache und völlig legale Tricks ist es problemlos möglich die Aufwandmenge auf die Hälfte bis 1/3 zu reduzieren ohne jegliche Wirkungsverluste. Die Wirkung hängt bei diesem Wirkstoff nämlich spannenderweise vor Allem von der Wirkstoffkonzentration in der Brühe ab und weniger von der Wirkstoffmenge je ha. Das gilt allerdings auch nur im Profibereich, das kann kein Kleingärtner mit der verfügbaren Technik leisten. 😉

So, ich habe mit Sicherheit einiges vergessen, wird ggf. nachgeholt. Jetzt dürft ihr mich gerne mit ARGUMENTEN zerfleischen, aber bitte nicht mit „weil das so ist“ oder ähnlichem. kiss emoticon

P.S.: Ich bin euch noch schuldig geblieben warum es den Landwirten und unseren Böden wahrscheinlich mehr weh tut wen Glyphosat verboten würde als der Industrie:

Heute wird der Boden oft nur noch minimal bearbeitet. Das ist wegen der Bodenerosion und und für das Bodenleben sehr gut, Gegen Wurzelunkräuter etc. aber schlecht. Also geht man dazu über Äcker vor oder direkt nach der Saat ggf. mit Glyphosat abzuspritzen um z.B. Wurzelunkräuter und Ausfallkulturen zu beseitigen.
Würde jetzt Glyphosat verboten müsste man zu diesem Zweck den Boden vor der Saat mehrfach bearbeiten, bei Wurzelunkräutern pflügen. Das ist auf Dauer weder gut für das Bodengefüge noch für das Bodenleben und nicht zuletzt wird der Boden dadurch sehr anfällig für Erosion.

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