Gründünger

0

Zuerst mal: Was ist eigentlich Gründüngung?

Eigentlich ganz einfach: Gründüngung ist erstmal nichts anderes als der Anbau sog. „Zwischenfrüchte“ oder Zwischenkulturen.

Und wozu ist das gut?

Das kommt ein wenig auf das Ziel an….
Erstmal etwas zurück zur Pflanzenernährung:
Wir haben gelernt, dass die Pflanze Nährstoffe braucht um wachsen zu können, deshalb düngen wir. Wir haben auch gelernt, dass wir Stickstoff düngen müssen, und dass zumindest Nitratstickstoff ausgewaschen wird wenn die Pflanze ihn nicht aufnehmen kann. Nitratstickstoff ist mineralisierter Stickstoff und der ist bei der Düngung interessant, denn der wird z.B. durch Bodenanalysen bestimmt und auf Grund der Ergebnisse einer Bodenanalyse wird der für eine Kultur erforderliche Stickstoff bedarfsgerecht gegeben, zur Ernte sollte also möglichst wenig Stickstoff übrig bleiben, soweit die Theorie…

Bevor ihr jetzt verzweifelt und denkt „was will er jetzt von mir?!“: Dieser Teil betrifft die Profis, ihr Kleingärtner müsst so ein „Theater“ natürlich nicht veranstalten, aber auch im Kleingarten schadet eine Bodenanalyse alle paar Jahre nicht.

In der Praxis, und besonders im Kleingarten,

sieht das aber anders aus. In der Regel gibt man zwar bedarfsgerecht Dünger, aber niemand kann garantieren, dass dieser auch komplett rechtzeitig zur Verfügung steht und entsprechend aufgenommen werden kann, entsprechend bleibt zur Ernte an sich immer ein Rest Stickstoff im Boden, im Kleingarten deutlich öfter oder mehr, da hier ja seltenst nach Bedarf sondern nachvollziehbarerweise nach Gefühl gedüngt wird, aber Stickstoff, besonders mineralischer, ist teuer!

Weiterhin haben wir gelernt, dass Pflanzen in ihrer Grünmasse Nährstoffe binden die erst mit Verrottung der Pflanze wieder frei werden und hier sind wir wieder beim Ausgangsthema.

Ziele der Gründüngung

sind sehr verschieden und ich versuche mal sie im nächsten Absatz zu erläutern:

  1. Zu unserem Exkurs eben: Gründüngung dient dazu „Reststickstoff“ in Form von Pflanzenmasse zu binden, sodass dieser nicht über Winter ausgewaschen wird und mit der Verrottung der Gründüngungspflanzen der Folgekultur im Frühjahr wieder verfügbar zu machen. Dazu ist grundsätzlich jede Pflanze geeignet die schnell keimt und wächst, idealerweise im Winter erfriert und im Frühjahr eingearbeitet werden kann, auch Gras, Getreide etc. sind hierfür geeignet.
  2. Gründüngung dient dazu zu verhindern, dass Boden verweht oder verschlämmt wird. Dazu eignen sich am besten Pflanzen die ein dichtes Wurzelwerk und eine dichte Pflanzendecke bilden (Saatstärke oder Pflanze).
  3. Gründüngung dient dazu, Stickstoff aus der Luft zu sammeln und der nachfolgenden Kultur zur Verfügung zu stellen; Stichwort Leguminosen! Hier sind vor allem Pflanzen wie Lupinen, Wicke, Erbse, Bohne, Klee geeignet. Besonders interessant ist diese Form der Gründüngung für Biobetriebe die bekanntlich nicht mineralisch düngen dürfen und durch eine Zwischenkultur von Leguminosen 30-40 kg Stickstoff je Hektar gewinnen können.
    Leguminosen sind allerdings zwingend an die Knöllchenbakterien angewiesen mit denen mit denen sie in Symbiose leben und durch den sie den Stickstoff binden können. Auf Böden auf denen noch nie Leguminosen gestanden haben müssen diese Bakterien deshalb zugeführt werden (kann man tatsächlich kaufen), oder es braucht etwas mehr Zeit, bis tatsächlich zusätzlicher Stickstoff gesammelt werden kann.
  4. Gründüngung dient dazu den Boden zu beschatten, Unkrautwuchs zu unterdrücken, Temperaturschwankungen abzumildern und das Bodenleben zu fördern, auch hier kommt es auf eine möglichst dichte Pflanzendecke an (s. Punkt 2).
  5. Gründüngung dient dazu dem Boden Humus zuzuführen. Humus ist ja im Endeffekt nichts anderes als verrottete Pflanzenmasse und aus verschiedenen Gründen enorm wichtig für Böden und Bodenleben. Auch hier kommt es vor allem auf möglichst viel Pflanzenmasse an.
  6. Gründüngung kann dazu dienen, Bodenverdichtungen zu durchdringen und zu beseitigen. Hierzu bedarf es Pflanzen die so tief wie möglich wurzeln, z.B. Sonnenblumen und Lupinen.
  7. Gründüngung kann Krankheiten bzw. Schädlinge reduzieren, dann heißt das Biofumigation. Früher hat man Böden die mit Nematoden etc. befallen waren mit Methylbromid (hochgiftig und hochgradig schädlich für die Ozonschicht) und diversen anderen Mitteln (die im Endeffekt alle Methylisocyanat (Bhopalgift!!!) freisetzten wie Metam-Natrium, Dazomet etc.) entseucht (Bodenentseuchungsmittel), damit waren zwar alle Unkräuter, Schadinsekten, Nematoden, Schadpilze und manchmal auch die Anwender hinüber, das Bodenleben war allerdings auch längerfristig dahin…. danach hat man begonnen zu dämpfen. Zwar weniger giftig, aber auch da waren ebenso schädliche wie nützliche Bodenbewohner dahin und zusätzlich wurden durch den heißen Dampf Nährstoffe mobilisiert die dann auch mal zu Pflanzenschäden führen konnten, abgesehen von kiloweise Co2, denn das Wasser wird nur zu Dampf wenn man es erhitzt.
    Zumindest gegen Nematoden kann man heute völlig biologisch mit Pflanzen vorgehen. In Rüben z.B. mit Senf oder Ölrettich in zahlreichen anderen Kulturen mit Tagetes.

Was ist bei der Gründüngung zu beachten

Zu allererst mal das Ziel der Maßnahme!
Will ich im engeren Sinne düngen geht das nur mit den genannten Leguminosen (Lupinen, Erbsen, Bohnen, Klee, Wicken…)
Will ich Bodenverdichtungen beseitigen geht das nur mit Tiefwurzlern wie Lupinen und Sonnenblumen, Biofumigation geht nur mit Tagetes, Senf und Ölrettich, alles andere mit fast jeder beliebigen Pflanze.

Die Fruchtfolge!

Wenn ich auf der Fläche Kohlgewächse anbauen will darf darauf zuvor NIEMALS Gründüngung aus der Familie der Kreuzblütler (etwa Senf, Raps etc) gesät werden! Diese fördern bzw. erhalten typische bodenbürtige Krankheiten wie die Kohlhernie.
Natürlich ist es ebenso sinnlos auf einer Fläche auf denen Erbsen und Bohnen gesät werden sollen vorher Stickstoffsammler als Gründüngung anzubauen, das können die nämlich selber 😉

Der Zeitpunkt!

Es ist z.B. sinnlos Pflanzen mit langsamer Entwicklung wie Lupinen im Spätsommer oder Frühherbst auszusäen, Als Bodenbedeckung sicher kein Problem, aber Stickstoff sammeln die dann ebenso wenig wie sie dann noch Bodenverdichtungen aufbrechen können.
Ebenso sinnlos ist es schnellwachsende Pflanzen wie Phacelia im Frühjahr auszusäen und die Pflanzen zur Saat kommen zu lassen, das Zeug werdet ihr dann nämlich nie wieder los. Wenn früh Phacelia dann in Vollblüte spätestens abmähen!
Und noch etwas sinnloser, sogar kontraproduktiv, ist es Tagetes in die nematodengefährdetete Kultur zu säen! Tagetes töten nämlich keine Nematoden und vertreiben sie auch nicht, im Gegenteil! Tagetes führen dazu, dass die Nematoden ihr Ruhestadium verlassen und magisch angezogen werden, jedoch bietet Tagetes den Nematoden keinerlei Nahrung, sie verhungern also. Entsprechend schnell wird klar wie fatal Tagetes in den gefährdeten Kulturen sind! Tagetes NUR als Vorkultur!

Kann ich Gründüngungspflanzen mischen?

Ja, sehr gut sogar! Es gibt sogar spezielle Mischungen für verschiedene Zwecke zu kaufen. Man muss eben nur auf die Zusammensetzung achten und sehen was man auf dem Land vor hat.

Und was passiert später mit den Pflanzen?

Man arbeitet sie ein und zwar im Frühjahr nachdem sie erfroren sind (Humusbildung, Stickstofffreisetzung!). Mehrjährige Pflanzen wie Gräser, Klee etc sollte man im Herbst runtermähen und im Frühjahr ziemlich tief unterarbeiten (graben, pflügen).

Jedes Jahr Gründüngung?

Klar, warum nicht? Freie Flächen sollte man aus genannten Gründen bedecken, warum also nicht mir Gründüngung?

Share.

Leave A Reply