Fifty Shades of Green

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Nun bin ich also am Ziel meiner Träume und stolze Hobby-Gärtnerin in meinem kleinen grünen Paradies. Eines war von Anfang an klar: Es sollte ein naturnaher Garten werden. Ein bisschen Bauerngarten, ein bisschen Wildwuchs, ein bisschen Romantik, viel Platz für alles was da kreucht und fleucht, freie Flächen, wo auch Gänseblümchen und Ecken, wo auch Brennesseln gedeihen dürfen. Das alles natürlich dezent gepflegt und sanft gelenkt 😉

Kurzum: Mein naturnaher Rasen (sprich – eine Mischung aus Quecke, Distel, Klee, Löwenzahn, Gänseblümchen, Käsepappel und dergleichen mehr) schreit nach einer naturnahen Määähmäääthode. Den naheliegendsten Gedanken, eine Herde Schäfchen anzusiedeln, habe ich aus Rücksicht auf meine naheliegendsten Nachbarn (und das wohl drohende Wiehern des Amtsschimmels) gleich wieder verworfen. Die zum Himmel verdrehten Augen und das gequälte Aufstöhnen meines Liebsten haben meine Entscheidung nienicht beeinflusst – ich schwör’s 😉

Nun denn: Sense. Also Sense mit den Schäfchen – und selber Dengeln. Hab ich ja früher auch gemacht. Und war nicht mal schlecht darin (so glaube ich wenigstens in meiner verklärten Erinnerung). Hmmm…. Also um genau zu sein vor 30 Jahren. Da waren sie wieder meine naheliegendsten Nachbarn. Also nicht direkt, aber in Gedanken. Sie lachten sich krumm & dämlich, in meinem Kopfkino. Wenn ich im Frühling mit der Sense begänne, wär ich wohl zum Winter hin ferdisch. Vielleicht doch keine so gute Idee…

Der vom Vorbesitzer übernommene kräftige Benzinrasenmäher wurde mit verächtlich-mitleidigem Blick einem anderen (bedauernswerten) Gartenbesitzer geschenkt. So ein röhrendes Stinktier hat in meinem naturnahen Garten wirklich nix verloren – naturellement!
Schäfchen, Sense, Stinker waren also schon von der Liste gestrichen. Ich liebäugelte mit einem Handrasenmäher, also so ein Spindelding, das ich mit 1 PS über die holprige Wiese schieben würde.

Gedacht, gekauft! Und nachdem ich nicht viel Geld ausgeben wollte, kam mir ein Made-in-China-Angebot im Baumarkt gerade recht. Nach dem ersten Pulsanstieg auf etwa 300 musste ich feststellen, dass „dat Ding“ wohl für chinesische Rasen oder für chinesische Ringer oder weiß-der-Kuckuck schlicht als Folterinstrument gebaut war. Die Spindelblätter (oder wie man das nennt) klemmten bei jeder Bewegung – mit all den Überlegungen ob Schäfchen, Sense oder andere Lösungen war das Gras ja auch schon wadenhoch gewachsen…

Einschlägige Publikationen erhellten dann die düsteren Tage (und Wochen) der Entscheidungsfindung: „Ein englischer Rasen darf einfach nur mit einem englischen Handrasenmäher gekürzt werden!“ Dass ich da nicht gleich drauf gekommen war *facepalm*

Rasenmäher

Sir Lawn Mower

Gelesen – gekauft! Das war doch gleich ein anderes Kaliber! Die Nachbarn feixten schäbig über den Zaun. Nö, nicht in meinem Kopfkino – in echt. Nach dem ersten Pulsanstieg auf etwa 300 musste ich feststellen, dass ich die Sache mit dem englischen Rasen wohl mißverstanden hatte. Ich HAB ja gar keinen englischen Rasen – also KANN „dat Ding“ ja gar nicht funktionieren…

Der Rasen wucherte und wucherte. Ein wenig verlegen ersuchte ich den „bedauernswerten“ Gartenbesitzer, der das röhrende Stinktier geerbt hatte, ob er nicht AUSNAHMSWEISE meinen Rasen runterhäckseln könnte, schließlich wäre der nun schon so hoch gewachsen, dass man diesem mit unmotorisierten Geräten nicht mehr Herr werden würde. Schon gar nicht als Frau. Ein Gentleman verzieht keine Miene, mäht den fremden Rasen – und denkt sich sein Teil.

Wow, der Neid hätte mich fressen können, als ich meinen penibel gestutzten Rasen bewunderte. Dennoch: Ich weiß genau, wie die Geschichte mit mir und Benzinmotoren endet, wenn man die nicht regelmäßig mit Öl füttert – oder vergißt rechtzeitig zu tanken. Also lassen wir das besser.

„Kauf Dir doch einen Elektro-Rasenmäher! Dann hast Du kein Problem mit leerem Benzintank und Öl…“, gutmeinte der Liebste. Die liebe Tante Lore nickte eifrig und studierte bereits einschlägige Kataloge.
„Elektro-Rasenmäher?! Mich mit Endlos-Kabeln erwürgen?! Kabelsalat kleinschnipseln?! Durch Stromschlag ins gemähte Gras beißen?! NUR ÜBER MEINE FRISCH GEMÄHTE LEICHE!“ Nie und nimmer kommt mir so ein Elektrischer (Roll)Stuhl in meinen naturnahen Garten! Basta.

Ich verliebte mich in einen zarten, grünen Akku-Rasenmäher. Also einerseits zart gebaut, andererseits zart grün, irgendwie lieblich weiblich halt 😉 Pinky hätte die Kaufentscheidung natürlich deutlich beschleunigt. Aber man kann schließlich nicht alles haben…

Zart grün

Grasmoperl

Verliebt – gekauft! Was soll ich sagen: Eine Liebe für’s Leben! Also jedenfalls für eine Saison 😉 Wobei, das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben. Doch dazu später.
Schlank, leicht, leise – und der Akku verschafft mir die notwendigen Pausen, um meinen Puls wieder runterzuholen. So lange das Gras nicht allzusehr wuchert, ist die Gute einfach die Beste!

Heuer kam es aber wie es kommen musste. Jedes Mal, wenn ich Zeit gehabt HÄTTE, den Rasen endlich zum ersten Mal zu mähen… regnete es. Das ging so bis Anfang Mai. Endlich! Die ersten Tage, wo a) die Sonne in Folge schien ohne Regen zwischendurch, b) nicht Sonntag oder Feiertag am Kalender stand (Mähverbot) und c) wo ich auch ZEIT hatte, mich dem (mittlerweile) wild wuchernden Gras zu widmen. Und wenn ich wild wuchernd schreibe, dann meine ich das genau so. Die Grasflächen waren inzwischen bis zu 60cm hoch. Ich ging frisch-fröhlich ans Werk. Mein zart grünes Grasmoperl jaulte bei der ersten Runde herzzerreissend auf – und der Akku war leer. So wird das nix – das war nun klar. Meine Liebe für’s Leben lag in den letzten Zügen. Schön langsam aber sicher machte sich leise Panik breit. Ich hatte schon Alpträume von wild wuchernden Grasbüscheln, die sich bis in meine Wollvorräte ausbreiteten! Nun war guter Rat teuer. 178,95 € um genau zu sein.

Rotak

Formel 1 Todesmachine

Geflucht – gekauft! Darf ich vorstellen: Mein neuer ELEKTRO-Rasenmäher. Also jenes Gerät, das mein Ableben deutlich früher herbeiführen wird als geplant. Ich sage nur: Elektrolution!
Fast über Nacht geliefert – und ich muss zugeben: Schick sieht sie aus, die Formel 1 Todesmaschine. Und da ich ja eine neue Kabelrolle mit signalorangem Sicherheitskabel besitze, würde ich dem Sensenmann (sic!) wohl noch ein Weilchen ein Schnippchen schlagen (ja, liebe Kerstin 😉

Allerdings – ist so eine Kabelrolle VOLLKOMMEN nutzlos, wenn es darum geht, so einen Boliden durch eine 1.200 m2 Rennstrecke zu manövrieren. Den großen Preis von Monaco werde ich definitiv NICHT gewinnen, indem ich den Boliden mit einer Hand lenke und mit der anderen die Kabeltrommel neben mir herschleppe! Also – buchstäblich – zurück an den Start und wieder einen Tag vers…äumt. 2 x 25 Meter signaloranges Sicherheitskabel OHNE Kabeltrommel bestellt.

Endlich! Ich in der Pole-Position, in 10 Sekunden von 0 auf 100, den Kabelsalat halbwegs im Griff, das Lasso <=> lässig wie John Wayne durchs Gras gewirbelt – fast hätte ich gequietscht vor Vergnügen! Wenn ich demnächst bei einem Stricktreff mit verdächtigen Würgemalen am Hals auftauche, wisst Ihr, die hab ich von „Fifty Shades of Green“ – und einem signalorangen Sicherheitskabel 😉 Allerdings – bevor ich mich so RICHTIG reinsteigern konnte, war’s auch schon wieder vorbei mit dem orGRASmus. Ich hatte mir eine Ecke des Rasens vorgenommen, wo die Halme fast schon kniehoch standen, der Bolide jaulte auf (irgendwie kam mir das bekannt vor) und – kein Mucks mehr. Okay. Ganz ruhig! Bedienungsanleitung. Bedienungsanleitung? Sowas gibt’s heutzutage nicht mehr. Das 144 Seiten starke Heftchen erklärt in 12 Sprachen wie man schnell und unkompliziert Anwärter auf einen Darwin Award wird, sprich die originellsten Todesarten, die man mit Hilfe des Teils ausprobieren kann. Vom Verschlucken der Plastiktüten und/oder der Schrauben, die sich darin befinden, über einen Stromschlag (sag isch doch!), wenn man versucht mit einer Gabel den Stecker zu reparieren bis hin zum Verlust des Unterarms samt nachfolgender Exsanguination, wenn man bei rotierendem Messer Grashalme unter selbigem hervorpulen möchte.
Im Kleingedruckten entdecke ich einen verschämten Satz zum Thema „Motorschutz“. AHA! Wenn „dat Ding“ heiß läuft oder irgendwie überfordert ist, schaltet der Motor auf stur, also aus.

Nugut. Rauchpause. Bin auch schon irgendwie überfordert. Nach 3 Stunden rührt sich noch immer nix. Na sicher doch hab ich den FI-Schalter kontrolliert, die Sicherungen überprüft, alle Kabelverbindungen gechecked. Nix. Nada. Eisiges Schweigen. Also nicht bei mir. Ich hab eher lautstark geflucht. BOAH WAR ICH GEFRUSTET!

Ich überspringe jetzt den Teil mit dem Anruf bei der BOSCH-Service-Line (ja, sorry, kein Ruhmesblatt), GsD weiß man bei Amazon, was S-E-R-V-I-C-E bedeutet, nämlich dass 2 Tage später ein funkelnagelneuer Bolide vor meiner Tür steht. Ich erspare Euch auch die Schilderung, wie ich das Ding wieder zerlegt in mein Smartie stopfte (ich will nicht mosern, aber zurückschicken muss man es schon, wenn auch kostenlos), wieder verpackte, zur Post schleppte (ich hatte Hilfe), den neuen wieder zum Gartenhäuschen transportierte und zusammenbaute…

Hab ich erwähnt, dass es Steckdosen gibt, die eine eigene Sicherungsbox haben? 😉 Irgendwo versteckt an der Wand dahinter, gleich unter dem Plafond. Genau die Steckdose, wo ich meinen Kabelsalat angesteckt hatte, war eine solche. Wie kommt man denn auf SO eine Idee? Mein Liebster konnte sich ein Schmunzeln nicht wirklich verkneifen…

Kurzum – alles paletti! Gestern in 4 Stunden den kompletten Rasen gemäht, heute fast genauso viel Fläche Parkplätze, meine Todesmaschine macht selbst den fiesesten Grasbüscheln den Garaus. Und FAST hab ich ein schlechtes Gewissen, denn EIGENTLICH war der Bolide ja gar nicht kaputt.

P.S.: Und weil die Liebe zu meinem kleinen grünen Grasmoperl noch nicht so gänzlich erloschen ist, hab ich ihr heute einen zweiten Akku bestellt, denn für die kleinen Eckchen im Garten ist sie doch sehr praktisch und wendig… Ein Happy End sozusagen 😉

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