Meine Gartenstrategie – Watchful Waiting

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Watchful Waiting

Watchful Waiting

Aufmerksames Abwarten oder kontrolliertes Abwarten, so könnte man die Strategie nennen, die in der Medizin angewendet wird.

Abwarten & Beobachten ist auch meine Garten-Strategie und diese hat viel mit Entschleunigung, Zulassen, Geduld & Respekt zu tun. Jene Tugenden also, die uns ein Garten lehrt und weshalb ich das Garteln so leidenschaftlich liebe.

In meinem ersten Jahr im neuen Garten (der eigentlich ein sehr alter Garten ist), habe ich in erster Linie beobachtet. Den einen oder anderen Busch entfernt und einige Beetflächen angelegt. Ich habe dabei gelernt, dass ein Viertel meines Gartens aus Schlamm/Sand vom letzten großen Hochwasser besteht, dass ich eine kleine Feuchtfläche habe, dass die große Rasenfläche eigentlich kein Rasen ist und dass der Rest des Gartenbodens durch die Baggerarbeiten nach dem letzten Hochwasser extrem verdichtet ist – fast wie Beton. Ich habe beobachtet, wo welche „Beikräuter“ gedeihen (Unkräuter mag ich sie nicht nennen, doch dazu später), wann und wo welche Flächen beschattet werden, ich kann mittlerweils sogar schon nach dem Sonnenstand die Uhrzeit ganz gut schätzen. Lacht nicht, für jemanden, der ohne Uhr und ohne Zeitgefühl durchs Leben stolpert, eine ganz schöne Leistung 😉

Es entging meiner Aufmerksamkeit natürlich auch nicht, dass es hier etwa 100x so viele Nacktschnecken gab als in meinem früheren Garten, dem es an Schleimingers sicher nicht mangelte. Also begann ich auch sofort mit meiner bewährten Schneckenstrategie. Hier kamen noch ein paar neue Erfahrungen dazu.

Im zweiten Jahr ging es ans Säen & Pflanzen. Ein paar hundert Stauden, mehr als hundert Sträucher und sogar einige Bäumchen schlugen in meinem kleinen Paradies neue Wurzeln. Dennoch sah das alles noch recht dürftig aus, aber ich hatte ja schon ein wenig Geduld – und die Lust der Vorfreude gelernt. Dass die aus meinem alten Garten übersiedelten Rosen so gar nicht glücklich werden wollten, war mir zuerst unerklärlich. Nungut, nicht alle hatten in der Eile der Übersiedlung optimale Plätzchen gefunden, aber gar so beleidigt mussten sie ja doch nicht sein. Des Rätsels Lösung erschien in Form der ersten Videos aus meiner Nachtkamera. Neugierige Rehe waren über die Ergänzung des Nahrungsangebots hocherfreut und fraßen die Rosen nahezu Purz & Stingl. Rosenkönigin würde ich in diesem Garten – und somit wohl auch in diesem Leben nicht mehr werden. Nun, die Rehe hatten hier eindeutig ältere Rechte. Ich bestellte Rehfutter in Pelletform 😉 und ein solarbetriebenes Ultraschallgerät, das meine Lieblingsrose halbwegs verteidigen sollte. Funktioniert bestens – die Marie Curie erfreut mich heuer mit einem üppigen Blütenreigen…

Und heuer – im meinem dritten Jahr hier – nähert sich der Garten schon überschwänglich dem Bild, das mir vorschwebt. Wobei dieses in seinen Details ständigen Änderungen unterworfen ist. Heuer habe ich deutlich weniger „gearbeitet“ und mich wieder mehr dem Beobachten & Genießen gewidmet. Einige der Pflanzen waren mit ihren Standorten nicht ganz glücklich, bei einigen war ich mit der Optik nicht ganz zufrieden, einige wucherten höher/breiter/üppiger als ich es erwartet hatte und so bin ich heuer hauptsächlich mit „Übersiedeln“ beschäftigt. Dabei habe ich auch gleich einige der Rosenstöcke auf die Terasse verpflanzt, um ihnen (vielleicht dauerhafte?) Erholung von den gefräßigen Bambis zu gönnen 😉

Mittlerweile hat sich auch eine wohlige Sicherheit eingestellt, wohin ich mit meinem Garten eigentlich will, wo gute Plätzchen für Gemüse sind, wo noch die eine oder andere Blumenwiese fehlt, welche Bereiche verwildern dürfen, wo welche Boden-Bedingungen zu finden sind, welche Pflanzen sich an welchen Plätzchen besonders wohl fühlen, welche Beikräuter wo gedeihen und welche nicht nur mein Auge sondern auch die kleinen Rüssel der Insekten erfreuen. Ich beobachte amüsiert, wie die nach dem Hochwasser wieder erholte Wühlmauspopulation den Garten erkundet, wie der Dachs schnurstracks sofort die vorbearbeiteten Wühlmausgänge seinerseits durchwühlt, wie die Maulwürfe fröhlich für Durchlüftung des Rasens sorgen 😉 Kurzum – ich habe mir eine gewisse gärtnerische Gelassenheit angeeignet.

In diesem Sinne halte ich es auch mit den Unkräutern, die ich lieber Beikräuter nenne – doch dieses Thema verdient einen eigenen Beitrag.

Und nachdem heuer Mitte des Jahres die wichtigsten Arbeiten erledigt sind und mir fast schon langweilig wird 😉 juckt es mich natürlich in den Fingern, Pläne für das nächste Jahr zu schmieden.

2017 leg ich mir Steine in den Weg

Ich liebe Steine. 2017 werden Wege, Mauern und eine begehbare Kräuterspirale entstehen. Und ich werde ein sehr großes Gemüsebeet und unterschiedliche Blumenwiesen in den verwilderten Bereichen anlegen. Und dann werde ich wieder Beobachten & Genießen…

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