Von Nutzen & Schönheit der Tunkräuter

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Nein, da steckt kein Tippfehler in der Überschrift. Für mich sind es einfach Tunkräuter. Sie tun was. Und zwar eine ganze Menge – aber ich will ein bisschen ausholen:

Sogenannte Unkräuter zählen für mich zu den faszinierendsten Pflanzen überhaupt. Meist werden diese Überlebenskünstler schmählich missachtet, oft zu Unrecht verfolgt und in ihrer Schönheit weitgehend ignoriert. Dabei haben nur wenige andere Pflanzen derartig raffinierte Überlebensstrategien entwickelt, um ihr Fortkommen zu sichern und allein diese Tatsache nötigt mir großen Respekt ab.

Was versteht man denn eigentlich unter „Unkraut“? Ganz salopp gesprochen meint man damit jede Pflanze, die „unerwünscht“ ist. Und das ist natürlich relativ. Also in meinem Garten gibt es weder Tiere noch Pflanzen, die unerwünscht sind.

Die Bezeichnung „Kulturpflanzenbegleiter“ gefällt mir sehr viel besser – und genau in diesem Sinne dürfen „Unkräuter“ auch in meinem Garten gedeihen!

Was als tun Tunkräuter?

Hast Du in der freien Natur schon mal eine nackte Erdfläche entdeckt? Wohl kaum, es sei denn, die Fläche wurde erst kürzlich platt gemacht. Kaum eine Woche später beginnt es an allen Ecken und Enden zu sprießen – „Unkräuter“ schießen überall hervor und erobern das Terrain. Selbst an den unwirtlichsten Fleckchen unserer Umgebung kann man dieses kleine Wunder immer wieder erleben. Als ich unlängst am Bahnhof Düsseldorf warten musste, erfreute mich der Anblick von einer Gruppe blühender Weidenröschen. Sie wuchsen buchstäblich aus dem Nichts gleich hinter den Bahnsteigen zwischen den Gleisen auf einer Schicht spitzer Steine.

Wozu jäten & mulchen?

Echtes Leinkraut mit Mädchenauge und Echinacaea

Echtes Leinkraut mit Mädchenauge und Echinacaea

Die Natur macht das ganz von alleine. Also nicht das Jäten, aber das Mulchen – und zwar ganz natürlich. Und genau dadurch reduziert sich auch das Jäten auf ein Minimum von wenigen Stunden pro Monat. Sieht mein Garten wie ein Urwald aus? Mitnichten! Ich habe gleich zu Anfang einige sehr große Staudenbeete angelegt. Im Frühjahr warte ich einfach ab, was sich so alles auf den Beeten ausbreitet (neben den Stauden natürlich 😉 Die durchwegs winzigwurzeligen Tunkräuter begrünen und beschatten rasant die Zwischenräume und sorgen so dafür, dass der Boden feucht und vor Erosion geschützt bleibt. Zudem lockern sie das Erdreich und sind sehr oft willkommene Insektentankstellen wie das Echte Leinkraut (s. Bild). Tunkräuter bleiben bei mir überall dort stehen, wo ich nichts Besseres zu bieten habe. Sobald die Stauden wachsen und mehr Platz (und Nährstoffe) beanspruchen, nütze ich ein paar Stunden nach einem Regentag, um meine Tunkräuter allenfalls ein wenig zu reduzieren. Viele der sogenannten Unkräuter, die ganz von alleine meine Beete schmücken, bilden sogar reizvolle Kombinationen mit den gepflanzten Stauden, so zum Beispiel das Echte Leinkraut, das ein wahrer Hummelmagnet ist mit den cremefarbenen Echinacaeen und den fröhlichgelben Mädchenaugen. Schöner hätte ich das selbst gar nicht komponieren können.

Heilwirkung & Raupenbuffet

Blutweiderich zwischen Rosen

Blutweiderich zwischen Rosen

Viele der sogenannten Unkräuter waren dereinst wegen ihrer Heilwirkung hoch geschätzt. Zwei besonders prächtige Exemplare des Gewöhnlichen Blutweiderich habe ich im vergangenen Jahr sogar am nahegelegenen Ufer eines Flußarms ausgegraben und in mein „Sumpfbeet“ verfrachtet. Mit großer Freude stellte ich fest, dass die Stauden das Verpflanzen und den Winter problemlos überstanden haben und heuer die Insekten (und mich) mit prächtigen Blüten erfreuten. Schwebfliegen und die Raupen des Nachtpfauenauges gehören zu den Nutznießern der majestätischen Pflanze.

Kurzum…

Ohne Tunkräuter wäre ein naturnaher Garten nicht vollständig und nur halb so reizvoll und deshalb möchte ich diese in meinem Garten nicht missen.

 

 

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